Bundesverdienstkreuz für Löw? Bundespräsident schießt über das Ziel hinaus

Zum kleinen Finale der Fußball WM in Südafrika war eigens der frisch gebackene deutsche Bundespräsident Christian Wulff angereist. Das Daumen drücken auf der Ehrentribüne hat sich gelohnt, denn Deutschland gewann nach einem spannenden Endspiel 3:2 gegen Uruguay. Bereits direkt nach dem Spiel gratulierte der sichtlich erfreute Bundespräsident der jungen Mannschaft. Shake Hands mit jedem Spieler gehört nun offenbar auch zu den Pflichten eines Bundespräsidenten? Bereits hier stellt sich die Frage, ob es nicht ein cleverer Schachzug von Christian Wulff war. Es war eine perfekte Werbung für seine Person um weltweit vor hunderten Millionen Zuschauern bekannt zu werden.

Bei der Pressekonferenz am heutigen Sonntag gab es eine Überraschung. Christian Wulff kündigt wenige Tage nach seinem Amtsantritt an, wer wolle dem Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft Jogi Löw das Bundesverdienstkreuz aushändigen. Die einzelnen Nationalspieler sollen jeweils mit dem “Silbernen Lorbeerblatt” geehrt werden. So jedenfalls lautet der Vorschlag des neuen Bundespräsidenten Christian Wulff. Die Nationalmannschaft sei er beste Botschafter für Deutschland in der Welt, so Wulff weiter.

Selbstjustiz fragt kritisch, ob der neue Bundespräsident hier nicht über das Ziel hinaus schießt? Insbesondere der Vorschlag das Bundesverdienstkreuz für Jogi Löw auszuhändigen scheint doch eher ein Schnellschuss. Was wäre denn passiert, wenn Deutschland 1:2 verloren hätte? Wäre Jogi Löw dann auch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden? Wohl kaum und genau hierin liegt das Problem.

Eine so hohe Auszeichnung kann nicht für Leistungen ausgegeben werden, die einem Glücksspiel ähneln. Obwohl Deutschland beim kleinen Finale der Fußball WM verdient gewonnen hatte, sah man doch eindeutig wie sehr dieses Ergebnis einem Roulette ähnelte. Deshalb erscheint es doch höchst zweifelhaft in diesem Zusammenhang das Bundesverdienstkreuz auszugeben. Möchte Christian Wulff hier nicht eher seine Person erneut mit dem Medienrummel um den Sieg im kleinen Finale in Verbindung bringen? Publicity könnte er nach dem beinahe gescheiterten Wahlgang am 30.05.2010 zumindest brauchen…

Als Theodor Heuss 1951 zum ersten Mal das Bundesverdienstkreuz aushändigte macht er dies mit den Worten: „Er wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“