Klimachaos: Russland verbrennt, Deutschland und Polen überflutet

Die Natur zeigt in diesen Tagen erneut die ungeheure Kraft, gegen die der Mensch beinahe hilflos ist. Es scheint, als sei der Klimawandel längst Wirklichkeit geworden und keine düstere Prophezeiung mehr. Das Klimachaos zeigt sich so deutlich, wie selten zuvor. In Russland lodern die verheerendsten Waldbrände seit Jahrzehnten, während es in Deutschland, Polen und Tschechien zu beinahe Sintflut artigen Regenfällen und schlimmsten Überschwemmungen gekommen ist. Diese Gegensätze sind so extrem, dass man fragen muss: Schläft die Natur jetzt zurück? Gibt es so etwas wie Selbstjustiz der Erde?

Bei beiden Katastrophen hat der Mensch eingegriffen und dadurch das Ausmaß sehr stark verschlimmert. In Russland wurden Torfebenen über Jahrzehnte trocken gelegt, welche nun wie Zunder brennen und dabei einen extrem giftigen Qualm Versursachen. In Deutschland, Polen und Tschechien wurden die natürlichen Flussläufe begradigt, weshalb starke Regenfälle zu sofortigen Überschwemmungen über weite Teile des Landes führen. Es scheint, als haben die Menschen aus den Vergangenen Hochwassern überhaupt nichts gelernt. Längst ist bekannt, dass die Auslauflächen für große Wassermassen fehlen, nachdem die natürlichen Flussläufe mit Beton und Baggern begradigt wurden.

In Russland ist das Ausmaß der Brände so groß, dass sogar in der Millionenstadt Moskau der absolute Ausnahmezustand herrscht. Die Stadt ist in dichtem Rauch und Qualm und das Atmen fällt Millionen Menschen schwer. Inzwischen ist bekannt geworden, dass die Todesrate sich in kürzester Zeit verdoppelt hat. Die Gifte sind in der Luft so massiv, dass die Ärzte und Krankenhäuser überfordert sind und kaum Abhilfe wissen. Es lauern sogar atomare Gefahren. Die Waldbrände haben inzwischen sensible Bereiche erreicht, in denen Atom aufbereitet wird. Auch sollen Lagen von Atomwaffen in letzter Sekunde geräumt worden sein, bevor das Feuer eine Atomare Katastrophe ausgelöst hat.

Es bleibt momentan nur zu hoffen, dass in Russland so schnell wie möglich die dringend nötigen Niederschläge eintreffen. In Deutschland, Polen und Tschechien ging genau das Wasser herunter, welches man in Russland so bitter nötig hätte. Hat uns der Klimawandel nun endgültig eingeholt und werden sich solche Schreckensszenarien nun jährlich wiederholen? Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Menschen aus den Fehlern lernen und der Natur wieder die ursprünglichen Freiräume zurück geben.

Angela Merkel geht mit Galgenhumor in die Sommerpause

Bei Ihrer letzten Pressekonferenz vor der 4wöchigen Sommerpause, verabschiedete sich Angela Merkel fast schon zu gut gelaunt. Ganz in weiß gekleidet und zu Späßen aufgelegt, verblüffte Sie die versammelte Presse. Selbst kritische Fragen zu den vermehrten Rücktritten in der CDU sowie dem peinlichen Umgangston zwischen CDU und FDP wurden von ihr fast schon ins Lächerliche gezogen und schienen von der neuen eisernen Lady spurlos abzuprallen. Alles nur Fassade, denn wenn man genau hinschaut, hat Angela Merkel in diesen Zeiten wirklich nichts zu lachen.

Angela Merkel
Angela Merkel

Selbstjustiz fragt sich, ob dies ein geschickter PR Gag war, oder ob Angela Merkel nur noch Galgenhumor für die katastrophale Arbeit der Koalition vorzuweisen hat. Angesichts der zahlreichen Fehlentscheidungen und europaweitem Spott scheint Angela Merkel gar nichts anderes übrig zu bleiben, als die eigene Arbeit zu loben. Sie versuchte auf der 10minütigen Pressekonferenz Ihren ganzen Charme spielen zu lassen, um doch noch ein positives Fazit unter das Ergebnis der Politik des ersten halben Jahres 2010 ziehen zu können.

Zuvor hatte in Umfragewerten rot / grün erstmals wieder die absolute Mehrheit erhalten. Wenn diese Woche Bundestagswahl wäre, würde Angela Merkel als Bundeskanzlerin abgewählt werden. Da liegt es nahe, dass Merkels Berater zu diesem geschickten Schachzug geraten haben. Wenn alle Welt die geleistete Arbeit schlecht redet, dann muss man selbst eben genau das Gegenteil behaupten. Ob dies wirklich stimmt oder nicht ist zweitrangig. Dem Wähler muss das alles einfach nur richtig verkauft werden. Ob diese Rechnung aufgeht? Haben die Wähler nach der 4wöchigen Sommerpause tatsächlich wieder alles vergessen? Wohl kaum…

Kommt der Volksentscheid auf Bundesebende?

Nach den Volksentscheiden in Bayern und Hamburg beginnt Diskussion einen Volksentscheid auf Bundesebene erneut. SPD und Grüne nehmen diese Bürgerbegehren zum Anlass erneut auf die Möglichkeit zu drängen strittige Fragen von allen Deutschen abstimmen zu lassen. Eigentlich liegt diese Idee sehr nahe, denn wenn es möglich ist in Bayern die Frage über den Nichtraucherschutz von den Bürgern entscheiden zu lassen oder in Hamburg die Dauer der Grundschulzeit, dann ist dies mit anderen Streitthemen auch möglich.

Die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, sagte in der Bild-Zeitung, Sie wolle auch die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken von den Bürgern entscheiden lassen. Eigentlich wäre dies nur wünschenswert, denn die Mehrheit der Bundesbürger ist klar gegen Atomkraftwerke. Das Vertrauen in alte Meiler, die 30 Jahre und mehr gelaufen sind, ist verständlicherweise gering. Doch bevor Volksentscheide auf Bundesebene möglich sind, müsste das Grundgesetz geändert werden.

Claudia Roth
Claudia Roth

Der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, sagte dem Hamburger Abendblatt, seine Partei habe die Einführung von Volksbegehren und Entscheiden auf Bundesebene mehrfach erfolglos beantragt. CDU und CSU haben bislang einen solchen demokratischen Durchbruch verhindert. Verwunderlich ist dies nicht, schließlich hat die schwarz-gelbe Koalition in den vergangen Monaten gezeigt, wie Entscheidungen getroffen werden. Hier regiert nicht der Verstand und die Vernunft, sondern Planlosigkeit und Willkür.

Auch die SPD hat in der Vergangenheit mehrfach versucht Volksentscheide auf Bundesebene einzuführen. Bislang scheitert ein solches Vorhaben am Widerstand der Union. Offensichtlich möchte man hier um jeden Preis die eigene Atompolitik durchbringen, die bei Volksentscheiden sofort gekippt würden. In den vergangen Jahren machte die CDU immer wieder Schlagzeilen mit Ihrer Pro-Atom konformen Einstellung. Ist dies noch Sachverstand oder fließen hier großzügige Spendengelder von der Atomlobby?

Hamburgs CDU Bürgermeister Ole von Beust tritt zurück

Die Rücktrittswelle in der CDU hört nicht auf. Nach zahlreichen Ministerpräsidenten, die den Rückzug erklärten und einem gescheiterten CDU Bundespräsidenten wirft nun auch Hamburgs CDU Bürgermeister Ole von Beust hin. Für Angela Merkel wird die Luft immer dünner. Es ist wie ein Fluch, der seit einigen Monaten auf Ihr lastest. Während Sie sich in diesen Tagen noch in China staatsmännisch gibt und die antike Terrakotta Armee besucht hat, fallen Ihre eigenen “Soldaten” in der Politik reihenweise um.

Bereits vor der offiziellen Rücktritterklärung am Sonntag, sickerte das Gerücht um die Aufgabe des Hamburger Bürgermeister Ole von Beust durch. Zunächst wurde spekuliert, es hänge mit einem Bürgerentscheid zusammen, der sich mit der 4 bzw. 6 jährigen Grundschulregelung befasste. Von Beust wies dies in seiner Erklärung jedoch zurück. Auch wenn er und sein Gefolge eine andere Auffassung vertraten, als die Bürgerorganisation, sei dies nicht der Ausschlaggeber für seinen Rücktritt.

Offiziell begründet Ole von Beust seinen Rückzug aus der Politik noch in diesem August mit privaten Gründen. “Alles hat seine Zeit.” Er versuchte seine Position zu stärken, indem er es als löblich darstellte, wenn ein Politiker selbst erkennt, wann es Zeit ist aufzuhören. Selbstjustiz sieht das deutlich kritischer und empfindet Amtsmüdigkeit als die neue CDU-Krankheit. Offensichtlich brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. Wer kann, der geht und zieht sich aus der Verantwortung.

Ole von Beust
Ole von Beust wird bald viel Zeit zum Zeitung lesen haben

Ole von Beust ist inzwischen einer von vielen. Beinahe könnte man den Überblick verlieren, so zahlreich sind im Jahr 2010 die Rücktrittsmeldungen. Besonders die CDU unter der Führung von Angela Merkel ist davon betroffen. Das kann kein Zufall sein und wie es aussieht, verlassen die ersten Ratten das sinkende Schiff. Ob die Kapitänin Merkel bis zum Schluss bleibt, bis das Schiff CDU mit ihr endgültig untergegangen ist?

Bischöfin Maria Jepsen tritt nach erneutem Missbrauchsskandal zurück

Die erschütternden Nachrichten über Missbrauchsfälle in der katholischen und evangelischen Kirche lassen nicht nach. Erst vor wenigen Wochen wurden Dutzende Fälle in ganz Deutschland aufgedeckt, bei denen besonders in den 70er und 80er Jahren in Deutschland Kinder und Jugendliche von Geistlichen missbraucht wurden.  Der bislang prominenteste Kopf, der damals gerollt ist, was Bischof Mixa. Er trat zurück, als er beschuldigt wurde Kinder mehrfach geschlagen und misshandelt zu haben. Ob er selbst auch Kinder sexuell missbraucht hat, ist ungewiss. Mixa hatte aber zumindest Pastor gedeckt oder im Amt gelassen, die nachweislich Kinder sexuell missbraucht hatten.

Ein ähnliches Schicksal wie bei Bischof Mixa hat sich nun bei der evangelischen Bischöfin der Nordelbischen Kirche, Maria Jepsen ereignet. Auch ihr wurde vorgeworfen, einen Pastor im Kreis Stormarn trotz mehrfacher Missbrauchsvorwürfe gedeckt zu haben. Wie nun bekannt wurde, hatte der Pastor vor allem in den 80er Jahren mehrfach heranwachsende Jungen und Mädchen missbraucht. Bischöfin Jespsen gab nun dem öffentlichen Druck nach und erklärte Ihren Rücktritt. Sie fühle sich nicht mehr in der Lage, die frohe Botschaft des Herrn weiterzusagen, nachdem Ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt wurde.

Maria Jepsen
Maria Jepsen

Bislang behauptet Maria Jepsen, Sie seit bezüglich des beschuldigten Pastors nur von einer außerehelichen Affäre mit einer Frau informiert wurden. Es ist fraglich, ob die Bischöfin wirklich nur diese Version kannte oder ob das nur eine offizielle Begründung nach außen für die Versetzung des Pastors war. Die Indizien sprechen gegen Maria Jepsen. Wie der “Spiegel” und das “Hamburger Abendblatt” übereinstimmend berichten, solle eine eidesstattliche Versicherung vorliegen, die Jepsen schwer belastet.

Die Schwester eines der mutmaßlichen Opfer hatte  diese eidesstattliche Versicherung abgegeben. Sie gibt an, bereits im Oktober 1999 die Bischöfin über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen informiert zu haben. Dies sei am Rande eines Kongresses in Lübeck Jepsen geschehen, worauf Bischöfin Mario Jepsen sogar noch mit bejahenden Worten reagiert haben soll. Dennoch ließ Sie die Schwester des Opfers einfach stehen und verzichtete auf eine weitere Kommunikation.

Für Selbstjustiz liegt ein weiterer klarer Fall von Vertuschung vor. Offenbar hat nicht nur die katholische Kirche über Jahre versucht die schlimmen Missbrauchsskandale zu verbergen. In der evangelischen Kirche wurde offensichtlich die gleiche Politik des Schweigens und Verdrängens praktiziert. Es gibt wohl kaum eine angemessene Bestrafung oder gar Wiedergutmachung, für das was den Opfern damals widerfahren ist.

Prozessbeginn gegen Münchener S-Bahn-Schläger – greift die Justiz hart durch?

Am 12. September 2009 hatte eine schreckliche Tat der sogenannten Münchener S-Bahn-Schläger in ganz Deutschland für Aufsehen gesorgt. Zwei 17 und 18 Jahre alte Jugendliche prügelten einen 50-Jährigen Mann zu Tode, nachdem dieser Zivilcourage bewiesen hatte. Der Mann wollte eine Gruppe von Schülern beschützen und mischte sich ein, als die älteren Jugendlichen diese um Geld erpressten.

Das mutige Eingreifen hat der Mann mit seinem Leben bezahlt. Noch auf dem Bahnsteig attackierten die beiden heute Angeklagten Markus S. und Sebastian L. mit zahlreichen Schlägen und Tritten. Selbst als der Mann nur noch regungslos auf dem Boden lag, ließ zumindest einer der beiden nicht von ihm ab und ermordeten ihn schließlich.

Münchener S-Bahn Mord
Münchener S-Bahn Mord

Der Tod des Münchner Geschäftsmanns Brunner sorgte für großes Entsetzen in der Bevölkerung. Es scheint kein Wunder, warum die Zivilcourage immer mehr nachlässt, wenn man möglicherweise mit dem Leben dafür bezahlen muss. Dennoch war das Eingreifen des Mannes richtig und wurde nach seinem Tod posthum mit dem Bundesverdienstkreuz für seine Zivilcourage ausgezeichnet.

Die beiden Angeklagten haben sich zum Prozessauftakt reumütig, jedoch wortkarg. Es scheint jedoch eher so, als habe der Anwalt zu dieser Vorgehensweise geraten, um das Strafmaß möglichst gering zu halten. Die Staatsanwaltschaft plädiert schließlich auf Mord aus niederen Beweggründen. Fraglich ist allerdings, ob sich die beiden Täter überhaupt der Schwere Ihrer Tat bewusst sind. Es scheint eher, als ob diese sich hinter Ihrem angeblich alkoholierten Zustand verstecken. Eine gab an mehrere Flaschen Bier und eine halbe Flasche Wodka intus gehabt zu haben.

Die Befürchtung von Selbstjustiz ist, dass die deutsche Justiz ein viel zu mildes Urteil fällen wird. Die beiden Täter sind noch relativ jung und könnten nach dem Jugendstraffrecht verurteilt werden. Das Höchstmaß hierbei liegt selbst für Mord bei maximal 10 Jahren, wobei in der Praxis meist 6-7 Jahre ausgesprochen werden. Bei guter Führung könnten die beiden Täter somit nach rund 4-5 Jahren bereits wieder auf freiem Fuß sein. Ist das gerecht? Es ist ein Ungleichgewicht der Justiz im angeblichen Rechtsstaat Deutschland, das nicht zu verstehen ist.

Deutsche Bahn lässt Reisende kollabieren – Kostenminimierung statt Sicherheit?

Der Hochsommer hat Deutschland fest im Griff. In vielen Städten erreichten die Temperaturen Rekordwerte von bis zu 40 Grad. Dies macht vor allem vielen Reisenden sehr zu schaffen, denn die Deutsche Bahn hat offenbar massive Probleme in ICE Zügen. So gab es Wochenende nach offiziellen Angaben in gleich 3 ICE Zügen Ausfälle bei der Klimaanlage. Die Folge waren überhitzte Züge von bis zu 50 Grad in den Abteilen und reihenweise Hitzeschocks bei den Fahrgästen.

Zahlreiche ältere Menschen und Kinder sind kollabiert und lagen hyperventilierend und hilflos am Boden. Gegen die Deutsche Bahn wird mittlerweile sogar wegen fahrlässige Körperverletzung ermittelt, denn die Probleme an den Klimaanlagen waren offenbar bereits länger bekannt. Auch haben sich mittlerweile Fahrgäste gemeldet, die dem Zugpersonal den Geruch verbranntes Gummis meldeten. Das Zugpersonal stellte einen Defekt der Klimaanlage fest, der Zug wurde jedoch nicht gestoppt!

ICE
ICE Züge werden zur Hitzefalle

Eine äußerst fahrlässige Entscheidung, denn es mussten dutzende Personen mit einem Kreislaufkollaps ärztlich behandelt werden oder sogar ins Krankenhaus. Das Problem an den modernen ICE Zügen sind die Fenster. Diese sind bei Hochgeschwindigkeitszügen fest und lassen sich nicht öffnen. Eine verzweifelte Mutter soll noch versucht haben das Fenster von innen aufzuschlagen, um frische Luft in das Abteil zu bekommen. Die Mühen waren jedoch vergeblich, mehrere Kinder kollabierten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn reagiert auf die Versäumnisse der Deutschen Bahn mit deutlicher Kritik. Man ist auch dort der Meinung, dass man einen Zug auch mal anhalten müsse. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Fahrgäste müssen immer an erster Stelle stehen. Es kann nicht sein, dass wegen möglicher Verspätungen oder Ausfällen und finanziellen Verlust die Gesundheit der Passagiere gefährdet wird.

Selbstjustiz ist davon überzeugt, dass die Deutsche Bank den Fokus nur noch auf Kostenminimierung setzt. Es wird billigend in Kauf genommen, dass ernsthafte Folgen auftreten können, die auch sicherheitsrelevant sein können. Die Vorfälle am Wochenende haben dies leider bestätigt. Inzwischen gibt es zahlreiche Zeitungsmeldungen, nach denen weitaus mehr als die offiziell bekannt gewordenen 3 ICE Züge am Wochenende Mängel aufwiesen. Es soll in mindestens 10 ICE Zügen und einigen ICs ähnliche Vorfälle gegeben haben. Wer kann sollte die Bahn für dieses Fehlverhalten abstrafen und auf andere Verkehrsmittel ausweichen.

Bundesverdienstkreuz für Löw? Bundespräsident schießt über das Ziel hinaus

Zum kleinen Finale der Fußball WM in Südafrika war eigens der frisch gebackene deutsche Bundespräsident Christian Wulff angereist. Das Daumen drücken auf der Ehrentribüne hat sich gelohnt, denn Deutschland gewann nach einem spannenden Endspiel 3:2 gegen Uruguay. Bereits direkt nach dem Spiel gratulierte der sichtlich erfreute Bundespräsident der jungen Mannschaft. Shake Hands mit jedem Spieler gehört nun offenbar auch zu den Pflichten eines Bundespräsidenten? Bereits hier stellt sich die Frage, ob es nicht ein cleverer Schachzug von Christian Wulff war. Es war eine perfekte Werbung für seine Person um weltweit vor hunderten Millionen Zuschauern bekannt zu werden.

Bei der Pressekonferenz am heutigen Sonntag gab es eine Überraschung. Christian Wulff kündigt wenige Tage nach seinem Amtsantritt an, wer wolle dem Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft Jogi Löw das Bundesverdienstkreuz aushändigen. Die einzelnen Nationalspieler sollen jeweils mit dem “Silbernen Lorbeerblatt” geehrt werden. So jedenfalls lautet der Vorschlag des neuen Bundespräsidenten Christian Wulff. Die Nationalmannschaft sei er beste Botschafter für Deutschland in der Welt, so Wulff weiter.

Selbstjustiz fragt kritisch, ob der neue Bundespräsident hier nicht über das Ziel hinaus schießt? Insbesondere der Vorschlag das Bundesverdienstkreuz für Jogi Löw auszuhändigen scheint doch eher ein Schnellschuss. Was wäre denn passiert, wenn Deutschland 1:2 verloren hätte? Wäre Jogi Löw dann auch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden? Wohl kaum und genau hierin liegt das Problem.

Eine so hohe Auszeichnung kann nicht für Leistungen ausgegeben werden, die einem Glücksspiel ähneln. Obwohl Deutschland beim kleinen Finale der Fußball WM verdient gewonnen hatte, sah man doch eindeutig wie sehr dieses Ergebnis einem Roulette ähnelte. Deshalb erscheint es doch höchst zweifelhaft in diesem Zusammenhang das Bundesverdienstkreuz auszugeben. Möchte Christian Wulff hier nicht eher seine Person erneut mit dem Medienrummel um den Sieg im kleinen Finale in Verbindung bringen? Publicity könnte er nach dem beinahe gescheiterten Wahlgang am 30.05.2010 zumindest brauchen…

Als Theodor Heuss 1951 zum ersten Mal das Bundesverdienstkreuz aushändigte macht er dies mit den Worten: „Er wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“

Deutschland gewinnt kleines Finale und wird Dritter bei der WM

Am Samstag Abend konnte das vereinte Fußball Deutschland wieder bis spät in die Nach feiern. Das Sommermärchen von 2006 hat sich wiederholt. Erneut gelang es der Deutschen Mannschaft bei der Fußball WM bis zum kleinen Finale unter die besten 4 Mannschaften zu gelangen und das letzte Spiel schließlich sogar zu gewinnen. Die Nationalspieler wurden im Anschluss an das Spiel feierlich mit einer Bronzemedaille geehrt.

Es war ein Spiel, das alles enthielt, was zu einen spannenden Fernsehabend gehört. Emotionen wie Freude und Trauer, Frust und Hoffnung flammten immer wieder angesichts des der insgesamt 5 Tore im Spiel auf. Zunächst lag Deutschland in Führung, jedoch konnte Uruguay noch vor der Halbzeit mit einem Anschlusstor zum 1:1 aufholen. Danach ging schließlich sogar Uruguay mit 2:1 in Führung. Die Fans waren geschockt und glaubten bereits das Spiel sei verloren. Doch diese junge deutsche Nationalmannschaft schaffte es erneut das Spiel zu drehen. Sie holten zuerst das 2:2 und schließlich gelang der spätere Siegtreffer zum 3:2 für Deutschland.

Nicht vergessen sollte man auch die ennormen Startschwierigkeiten, mit denen Jogi Löw konfrontiert war. Zahlreiche Spieler waren verletzt und konnten nicht wie geplant spielen. Sogar die Frage um den Torwart war bis wenige Wochen vor der WM noch offen. Die Wahl viel schließlich auf Neuer, was sich im Nachinein als erstklassig erwiesen hat. Die Widrigkeiten waren wirklich zahlreich und wurden dennoch alle beeindruckend gemeistert. Sogar die Leitfigur Michael Ballack konnte wegen einer Verletzung nicht antreten. Eine WM ohne Michael Ballack? Viele fragten sich im Vorfeld, ob dies überhaupt funktionieren kann. Es kann, wie wir heute wissen.

Michael Ballack
Michael Ballack

Die sehr jungen Spieler bewiesen Teamgeist und Nerven und haben schließlich verdient gewonnen. Insgesamt war es eine sehr gute Leistung in dieser WM. Bei drei Spielen konnten die Deutschen jeweils 4 Tore schießen und gewannen zweimal 4:0 und einmal 4:1. Selbst Favoriten wie England oder Argentinien wurden von dieser Mannschaft ohne mit der Wimper zu zucken nach Hause geschickt. Alles in allem wird diese Fifa Fußball WM in Südafrika wohl noch einige Jahre in positiver Erinnerung bleiben und manchen Fan noch enger mit der deutschen Nationalmannschaft verbunden haben.

USA und Russland tauschen Agenten aus, wie zu Zeiten des Kalten Kriegs

Für großes Aufsehen sorgt ein Agentenaustausch, den die USA und Russland vereinbart haben. Zuletzt gab es das in den 80er Jahren während des sogenannten Kalten Kriegs, als sich die USA und Sowjetunion bis auf die Zähne bewaffnet gegenüber standen. Erst vor knapp 2 Wochen gab es Schlagzeilen über eine Festnahme von 10 russischen Spionen in Washington und Boston. Statt einer Verurteilung werden die russischen Agenten nun des Landes verwiesen und dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des US-Justizministers wieder in die USA einreisen.

Zuletzt wurde am 11. Februar 1986 auf der Glienicker Brücke zwischen Postdam und West-Berlin ein Agentenaustausch durchgeführt:

Glienicker Brücke
Glienicker Brücke

Offenbar gelang es in Verhandlungen mit Russland im Gegenzug für die 10 russischen Spione vier mutmaßliche westliche Agenten frei zu bekommen. Wegen Kontakten zu westlichen Geheimdiensten sitzen 4  US-Bürger zum Teil seit Jahren in einem russischen Gefängnis. Sowohl die russischen als auch die amerikanischen Agenten mussten sich zuvor schuldig erklären. Ob und in welchem Umfang die mutmaßlichen Agenten tätig waren ist weitestgehend ungewiss, ist bislang ungewiss. Allerdings gehen die Amerikaner gehen nicht davon aus, dass die 10 festgenommen Russen tatsächlich an relevante Informationen gelangen konnten.

Für die Beziehungen zwischen den USA und Russland ist dieser Agentenhandel brisant. Nur zwei Tage vor der Festnahme der russischen Agenten hatten sich US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Dimitri Medwedjew in Washington getroffen und dort das gute Verhältnis beider gelobt. Offenbar ist man nun bestrebt möglichst schnell einen Schlussstrich unter die Agentenaffäre zu setzen. Die US-Behörden ließen verlauten, dass die Agenten New York in Richtung Moskau bereits verlassen hätten. In anderen Berichten wurde allerdings Wien als Ort für den Austausch der 10 russischen Agenten gegen die 4 amerikanischen Agenten genannt.

Wie auch immer dieser Handel ausgehen wird, eines ist gewiss. Obwohl der Kalte Krieg offiziell seit rund 20 Jahren eingestellt ist, spionieren sowohl die Amerikaner als auch die Russen weiterhin die jeweils andere Weltmacht aus. Obwohl es Abrüstungsvereinbarungen gibt und offiziell sogar die Atomwaffen drastisch reduziert werden sollen, bleibt der Misstrauen aus eigentlich längst vergangen Tagen. Selbstjustiz ist nicht unbedingt überrascht über diese Enthüllung, jedoch bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten einen kühlen Kopf behalten. Es wäre nicht auszudenken, wenn durch mögliche Spannungen und aufkommendes Misstrauen ein neues Wettrüsten entstehen würde.